Bi Fuel Antrieb (Wahlweise Raps- oder Diesel- tanken)

zurück

Warum Pflanzenöl?

Die Idee, reines, naturbelassenes Pflanzenöl (Salatöl) als Kraftstoff für Dieselmotoren zu verwenden, ist so alt wie der Dieselmotor selbst.

Angesichts steigender Kraftstoffpreise und unter dem Aspekt des Umweltschutzes bieten sich zunehmend alternative Kraftstoffe wie Pflanzenöl, als günstige und umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Dieselkraftstoff an.
Natürliche Pflanzenöle aus Raps sind CO2-neutral, schwefelfrei und ungiftig. Pflanzenöle dürfen nicht mit Biodiesel (RME) verwechselt werden. Biodiesel wird chemisch aufbereitet und ist wesentlich teurer.

Kraftstoffverbrauch und Leistung bleiben mit Pflanzenöl unverändert. Je nach Hersteller und Abnahmemenge ist ein Liter Pflanzenöl bereits ab 0,99 EUR erhältlich. Kleinere Mengen Pflanzenöl können in jedem Supermarkt oder Großhandel (Metro) gekauft werden.

Die Theorie:

Es gibt in der Theorie zwei Ansätze. Entweder man modifiziert den Kraftstoff (so geschehen bei Biodiesel, RME...), oder man optimiert den Motor für die Verwendung von natürlichem Rapsöl. Während sogenannter Biodiesel durch ein aufwendiges Chemieverfahren entsteht, handelt es sich bei Pflanzenöl um das Naturprodukt. Öl, gewonnen durch Auspressen ölhaltiger Pflanzen, beispielsweise Raps. Nachteil: Bereits unter plus 10 Grad wird das Naturöl so zäh, daß es für Dieselmotor und -pumpe schwer verdaulich wird.

Reine Pflanzenöle besitzen wie beschrieben, eine höhere Viskosität und Zündtemperatur als Dieselkraftstoff oder Biodiesel und müssen deshalb zum Betrieb von Dieselmotoren erhitzt werden.

Abb.: Viskosität von Rapsöl (blaue Linie) und Diesel (rote Linie)

Die Viskosität vom Pflanzenöl ist sehr stark von der Temperatur abhängig, mit steigender Temperatur nähert sich die Viskosität vom Pflanzenöl der vom Diesel immer mehr an.

Nicht erwärmte Pflanzenöle führen zu Startschwierigkeiten und wirken sich negativ auf die Leistung und Lebensdauer des Motors aus. Auf die Dauer können unverbrannte Kraftstoffreste zu Ablagerungen und Verkokungen in den Brennräumen des Motors führen.
Eine zusätzliche Beheizung des Kraftstoffs ist also unumgänglich, da zum Schutz der Einspritzpumpe und für eine saubere Verbrennung möglichst schnell eine dem Diesel ähnliche Viskosität hergestellt werden muss (siehe Abbildung). Die optimale Verbrennungstemperatur liegt bei etwa 75°C.

Details für technisch Interessierte

Die zur Zeit auf dem Arkt befindlichen Dieselmotoren lassen sich grob in vier Gruppen unterteilen:
1. Vor-und Wirbelkammermotoren (z.B. DB W124, W123, VW Bus T2-Typ2/3 usw)
2. Direkteinspritzer mit VerteilerESP (z.B. VW/Audi TDI/SDI älterere Baujahre)
3. Direkteinspritzer mit Pumpe-Düse-Elementen (z.B. VW/AUDI TDI ab BJ 2001)
4. Direkteinspritzer mit CommonRail-Technik (z.B. DB CDI, Peugeot HDI, Renault DCI usw)
Das Prinzip des geteilten Brennraumes macht Motoren der ersten Gruppe gegenüber den grössten Gefahren des Pflanzenölbetriebes unempfindlich, so dass man diese Motorengruppe mit einem Umbau im Einbtanksystem dem Pflanzenölbetrieb anpassen kann.

Bei Motoren der anderen Gruppen wird ein Umbau auf eine spätere Mischung von Pflanzenöl mit Diesel im Verhältnis 50/50, oder ein Zweitanksystem empfohlen. Für die Nutzung von 100% Pflanzenöl ist ein Zweitanksystem unumgänglioch. Hierbei wird mit Diesel gestartet und bei warmem Motor auf Pflanzenöl umgestellt.

Wie funktioniert der Umbau?

Im Eintanksystem verbaue ich eine Kombination aus elektrischem Vorheizer und einem Kühlwasserwärmetauscher. Bei einigen Fahrzeugmodellen wird darüberhinaus der Einspritzzeitpunkt angepasst.
Die erste Aufheizzeit nach dem Kaltstart mittels des elektrischen Heizgerätes beträgt ca. 45 Sekunden, dann ist am Gehäuse des E-Heizers die Öffnungstemperatur des Bimetallschalters erreicht und die Heizung schaltet ab.

Je nach last-/verbrauchsabhängig zu erwärmendem Volumen und Temperatur des durchfließenden Kraftstoffes ergeben sich die weiteren Heiztakte, die zum Halten der gewünschten Kraftstofftemperatur erforderlich sind. Je höher die Kühlwassertemperatur gestiegen ist, desto kürzer werden die einzelnen Heiztakte und es verlängern sich die Ruhezeiten. Bei bereits vorgewärmtem Kraftstoff durch den Kühlwasserwärmetauscher dauert es schließlich mit zunehmender Temperatur immer länger, den Heizkörper auf die Einschalttemperatur des Bimetallschalters abzukühlen. Mit dem Erreichen der Betriebstemperatur des Motors von ca. 90°C übernimmt der im System Vorgeschaltete Kühlwasser-Wärmetauscher aus dem Audi A8 allein die Kraftstoffbeheizung. Schafft er dies nicht, sorgt die elektrische Heizung weiterhin automatisch für eine höhere Temperatur bei entsprechend kurzen Einschaltzeiten. Es wird dann nur noch die Differenz zwischen Austrittstemperatur am Kühlwasser-Wärmetauscher und dem E- Heizer ausgeglichen.

 

 

                                                                                  

Bilder unten: Entgegen Bedenken aller Skeptiker lief der Wagen auch im Winter bei tagelangem Dauerfrost sogar unter -16°C problemlos mit 100% Rapsöl. Auch der Kaltstart verläuft dank dem elektrischen Kraftstoffheizer einwandfrei.